Pfarrer Markus Thoms

Palmsonntag – C

10. April 2022

Liebe Gemeinde,

am Palmsonntag beginnt die Heilige Woche mit dem Einzug Jesu in Jerusalem. In der Liturgie ist die Palmweihe mit Prozession der Eucharistiefeier vorangestellt. Wir halten in diesem Jahr die Palmweihe am Sonntagnachmittag im Garten des Antonius-Stiftes und ziehen von dort aus mit den Kindern und ihren buntgeschmückten Palmstöcken zur Kirche, wo wir einen kurzen Abschluss feiern. Die Erfahrungen der letzten Jahre – vor Corona – hat gezeigt, dass die nach der Palmprozession anschließende Messfeier mit Lesung der Passion für Kinder schlicht und ergreifend zu lang ist. Um das Geschehen des Palmsonntags kindgerecht zu verstehen, haben alle Beteiligten sicherlich von dieser Umstellung mehr. In den anderen Gottesdiensten werden wir zu Beginn die mitgebrachten Palmen weihen und dann den Gottesdienst fortsetzen. In den Gottesdiensten hören wir die Passion, wie sie uns der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat. Die einzelnen Etappen der Passion begegnen uns im Laufe der Woche wieder. Wir hören, was Einzelne sagen, wir hören die Fragen, wir hören, was geschieht. Im Stillhalten und Zuhören werden wir aktiv. So werden wir mithineingenommen in den dunklen Heilsweg, der an Ostern neu aufstrahlt – für Jesus und für uns alle.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Heilige Woche!
Ihr Pastor Markus Thoms

Pfarrer Markus Thoms

Palmsonntag – Heilige Woche 2021 – B

Liebe Gemeinde,

der Palmsonntag ist geprägt von zwei Polen. Auf der einen Seite die Palmweihe mit dem Einzugsevangelium Jesu in Jerusalem, auf der anderen Seite hören wir die Passion, die Leidensgeschichte, wie sie uns der Evangelist Markus hinterlassen hat. Die Liturgie gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt. Der Palmsonntag lädt uns ein, den Weg Jesu ans Kreuz bis hin zu seinem österlichen Sieg mitzugehen. Er öffnet uns den Weg in die Heilige Woche. Das, was wir am Palmsonntag erleben, will mit Bedacht vollzogen werden. Es geht nicht um ein anrührendes Bühnenstück zwischen „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“, es geht auch nicht um eine moralische Belehrung, nein es geht ganz konkret um die Vergegenwärtigung des Christusgeschehens. Die Passionsgeschichte, die wir Palmsonntag und Karfreitag hören, bildet gewissermaßen die inhaltliche Klammer um das Drama, das nun seinen Lauf nimmt. Indem wir im wahrsten Sinne dabei sind, wird auch von uns eine Entscheidung verlangt. Was rufe ich? Was fühle ich? Wo ist mein Ort? Und wie sieht mein Verhältnis zu diesem Jesus aus? Ein ernsthaft begangener Palmsonntag eröffnet uns eine Karwoche, in der wir die Treue und die Freundschaft zu Jesus erneuern und vertiefen können. Und so verstanden dürfen wir dann am Ende dieser Woche gemeinsam in den großen Osterjubel einstimmen, der in die Not der heutigen Welt mit allen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten ein Hoffnungszeichen senden will. Und dieses Hoffnungszeichen haben wir nicht nur in diesem Jahr mehr als nötig.

So wünsche uns allen eine gesegnete heilige Woche!

Ihr Pastor Markus Thoms

Palmstock

Palmzweige in der Kirche

Es ist gute Tradition, dass wir uns nach dem Palmsonntagsgottesdienst geweihten Buchsbaum mit nach Hause nehmen und diesen hinter ein Kreuz stecken. Am Sonntag werden im Gottesdienst um 10:30 Uhr grüne Palmzweige gesegnet. Die gesegneten Zweige stehen ab Sonntagnachmittag in den Kirchen St. Anna und St. Josef. Jeder der mag, kann sich einen kleinen Zweig dort abholen und hinter sein Wohnungskreuz stecken. Bitte denken Sie aber daran, dass viele den Wunsch haben, Palmzweige zu bekommen und nehmen Sie sich bitte nur das mit, was Sie auch wirklich in Ihrer Wohnung hinter das Kreuz stecken möchten.

Vielen Dank!

Markus Thoms

Palmsonntag 2020

Liebe Gemeinde,

selten war ich von den Worten des Papstes so berührt wie am vergangenen Freitag, als er erstmalig in der Kirchengeschichte, den Segen urbi et orbi – der Stadt und dem Erdkreis – außerhalb der bestehenden Ordnung erteilt hat. Normalerweise wird dieser Segen nur Weihnachten, Ostern und nach einer Papstwahl gespendet. Papst Franziskus hat diese außerordentliche Form gewählt, um die Welt in der Corona Krise wachzurütteln und um deutlich zu machen, wie sehr wir alle auf diesen Segen bauen und vertrauen dürfen. Grundlage seiner Ansprache war das Evangelium vom Sturm auf dem Meer.
„Wir sind verängstigt und fühlen uns verloren. Wie die Jünger des Evangeliums wurden wir von einem unerwarteten heftigen Sturm überrascht. Uns wurde klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungslos sind, aber zugleich wichtig und notwendig, denn alle sind wir dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, alle müssen wir uns gegenseitig beistehen. Auf diesem Boot ... befinden wir uns alle. Wie die Jünger, die wie aus einem Munde angsterfüllt rufen: »Wir gehen zugrunde« (vgl. V. 38), so haben auch wir erkannt, dass wir nicht jeder für sich, sondern nur gemeinsam vorankommen.“

Diese Aussage des Papstes ist das Entscheidende in dieser Zeit: Wir sitzen alle im gleichen Boot und nur wenn wir uns alle anstrengen, wenn wir gemeinsam durch diese Zeit gehen, werden wir alle gestärkt daraus hervorgehen. Mit klaren Worten macht Franziskus auf das aufmerksam, was uns schon lange zu schaffen macht. Wir spüren doch nicht erst seit kurzem, dass wir in vielen Bereichen unseres Lebens in einem atemberaubenden Tempo unterwegs sind, was es uns schwer macht, überhaupt noch zu leben. Papst Franziskus:
„In unserer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen lassen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“
Wir können fragen, was ist denn nötig? Wie kann denn Neuorientierung gelingen?

„In dieser Fastenzeit erklingt dein eindringlicher Aufruf: »Kehrt um« (Mk 1,15); »kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen« (Joël 2,12). Du rufst uns auf, diese Zeit der Prüfung als eine Zeit der Entscheidung zu nutzen. Es ist nicht die Zeit deines Urteils, sondern unseres Urteils: die Zeit zu entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist, die Zeit, das Notwendige von dem zu unterscheiden, was nicht notwendig ist. Es ist die Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten. Und dabei können wir auf das Beispiel so vieler Weggefährten schauen, die in Situationen der Angst mit der Hingabe ihres Lebens reagiert haben. Es ist das Wirken des Heiligen Geistes, das in mutige und großzügige Hingabe gegossen und geformt wird.“

Hier nennt der Papst die unzähligen Menschen, die in dieser schweren Situation dafür sorgen, dass das Leben in gewisser Weise ordentlich weitergehen kann. Er dankt den Ärztinnen und Ärzten, den Krankenschwestern und -pflegern, den Verkäuferinnen und Verkäufern in den Lebensmittelmärkten und zählt die auf, die ihr Leben einsetzen, zum Wohle anderer – gerade in dieser schweren Zeit. Papst Franziskus geht dann aber einen entscheidenden Schritt weiter, indem er den Osterglauben ins Spiel bringt, wenn er sagt:
„Der Herr erwacht, um unseren Osterglauben zu wecken und wiederzubeleben. Wir haben einen Anker: durch sein Kreuz sind wir gerettet. Wir haben ein Ruder: durch sein Kreuz wurden wir freigekauft. Wir haben Hoffnung: durch sein Kreuz sind wir geheilt und umarmt worden, damit nichts und niemand uns von seiner erlösenden Liebe trennen kann. Inmitten der Isolation, in der wir unter einem Mangel an Zuneigung und Begegnungen leiden und den Mangel an vielen Dingen erleben, lasst uns erneut die Botschaft hören, die uns rettet: Er ist auferstanden und lebt unter uns. Der Herr ruft uns von seinem Kreuz aus auf, das Leben, das uns erwartet, wieder zu entdecken, auf die zu schauen, die uns brauchen, und die Gnade, die in uns wohnt, zu stärken, zu erkennen und zu ermutigen. Löschen wir die kleine Flamme nicht aus (vgl. Jes 42,3), die niemals erlischt, und tun wir alles, dass sie die Hoffnung wieder entfacht.“

In diese Haltung hineinzukommen geht aber nur, wenn ich selbst bereit bin, mich und mein Kreuz anzuschauen.
„Das eigene Kreuz anzunehmen bedeutet, den Mut zu finden, alle Widrigkeiten der Gegenwart anzunehmen und für einen Augenblick unser Lechzen nach Allmacht und Besitz aufzugeben, um der Kreativität Raum zu geben, die nur der Heilige Geist zu wecken vermag. Es bedeutet, den Mut zu finden, Räume zu öffnen, in denen sich alle berufen fühlen, und neue Formen der Gastfreundschaft, Brüderlichkeit und Solidarität zuzulassen. Durch sein Kreuz sind wir gerettet, damit wir die Hoffnung annehmen und zulassen, dass sie alle möglichen Maßnahmen und Wege stärkt und unterstützt, die uns helfen können, uns selbst und andere zu beschützen. Den Herrn umarmen, um die Hoffnung zu umarmen – das ist die Stärke des Glaubens, der uns von der Angst befreit und uns Hoffnung gibt.“

Liebe Brüder und Schwestern, nehmen wir diese Worte des Papstes in unser Herz auf. Lassen wir uns am Beginn der heiligen Woche davon berühren – auch und gerade unter dem Aspekt, dass wir in diesem Jahr nicht gemeinsam, das so wichtige Herzstück unseres Glaubens, die Gottesdienste der Kar- und Ostertage, feiern können. Lassen wir der Kreativität Raum und finden wir neue Formen des Miteinanders und des Glaubens. Der Gekreuzigte ist und bleibt in unserer Mitte.

Ich wünsche Ihnen SEINE Kraft und SEINEN Segen! Werfen wir gemeinsam unser Vertrauen auf den Herrn.

Ihr Pastor Markus Thoms

Die Zitate des Papstes sind der Homepage: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-03/wortlaut-papstpredigt-gebet-corona-pandemie.html entnommen.

Pfarrbüro St. Anna

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Die Kirche sei immer ein Ort der Barmherzigkeit und Hoffnung, wo wir spüren, dass wir angenommen und geliebt sind und Vergebung erhalten.
— Papst Franziskus