Zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II. – Ein Glaubenszeugnis

Es kostet mich Kraft über so persönliche Dinge zu erzählen, aber durch die Ermutigung Zeugnis zu geben, will ich es versuchen.

Was soll ich sagen, ich habe ein wenig Angst meine Geschichte zu erzählten.  Ich befürchte, dass mich Leute als Spinner bezeichnen.

Eigentlich  nahm  meine Beziehung zu Johannes Paul – das wurde mir jetzt erst klar – schon in der Jugend ihren Anfang. 1980  unternahm Johannes Paul II. seine erste Pilgerreise nach Deutschland und besuchte auch unsere Bischofsstadt Osnabrück. Ich war gerade mal 12 Jahre alt.

Bei nass kaltem Wetter im November machten wir uns mit der Pfarrgemeinde auf den Weg in das Stadion auf der Illoshöhe. Ich war ja fast noch ein Kind, aber die Ausstrahlung dieses Mannes hat mich irgendwie nie losgelassen.

Einige Jahre später habe ich ganz unbewusst, meine Abschlußarbeit in der 10. Klasse über Johannes Paul II. geschrieben. Warum gerade über ihn? Keine Ahnung!

Ich habe dann mit Vorliebe geliebt und 1987 sehr „früh“ geheiratet: eine wundervolle Frau. Dann kam unsere Tochter zur Welt und einige Jahre später unser Sohn.

Eigentlich wollte ich gern Profifußballer werden, aber die Situation ließ es nicht zu. Um die Familie zu ernähren, ergriff ich einen „soliden“ Beruf: Industriemechaniker.

Dann kam der Herbst 2004. Ich erkrankte von einem auf den anderen Tag schwer. Plötzlich konnte ich keine klaren Worte aussprechen.  Als habe ich zwei Promille im Blut, so sahen meine Bewegungen aus. Mein Hausarzt überwies mich in ein Krankenhaus nach Osnabrück.

Eine Vielzahl von Untersuchungen musste ich über mich ergehen lassen. Meine Frau und ich saßen aufgeregt vor den Ärzten als sie uns  ihre Diagnose mitteilten: MG Myasthenia gravis. (Anmerkung:  d. h. eine schwere Lähmung, die durch eine gestörte Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gekennzeichnet ist. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die aber noch nicht richtig erforscht ist.)  Es tut uns leid, aber Sie haben keine hohe Lebenserwartung.

Schließlich wurde ich im Februar 2005 in eine Spezialklinik nach Oldenburg eingewiesen. Ostern kam näher! Meine Gedanken kreisten um die Familie: Wie soll es weitergehen?  Ich hatte blanke Angst!

Im Süden Europas lag ein anderer Mann auf dem Krankenlager: Johannes Paul . Über den Fernseher verfolgte ich vom Krankenbett aus ganz genau die Entwicklung. Schließlich hieß es: Johannes Paul II. liegt im Sterben. Da hab ich mir ein Herz gefasst oder besser das Innerste meiner Seele bat flehentlich: Bitte, nimm doch meine Erkrankung auf dich und nimm sie mit, wenn du gehst.

Johannes Paul II. starb am 02. April 2005. Was dann mit mir geschah, war für mich und die Ärzte einfach nicht nachzuvollziehen. Ich hatte keine sprachlichen oder körperlichen Einschränkungen mehr.

Trotzdem bin ich in ein Loch gefallen, weil ich es nicht fassen konnte. Vom fast nicht mehr auf dieser Welt sein, kann plötzlich wieder zurück in das Leben! Was bin ich heute dankbar für meine Familie, für meine Frau und meine Kinder, die mich dann wachgerüttelt haben.

Danach erst begann ich langsam zu begreifen in welcher Beziehung Johannes Paul zu mir steht und welch eine Gabe mir geschenkt ist! Bis heute! Der Draht von Seele zu Seele steht.

(Das Glaubenszeugnis von Lui wurde aufgeschrieben von Maria Plog, Pastoralreferentin)

Pfarrbüro St. Anna

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— Papst Franziskus